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WOHER KOMMEN DIE DEUTSCHEN IN RUSSLAND EIGENTLICH?

Heute sind Russlanddeutsche Menschen, die vor einiger Zeit von Russland nach Deutschland ausgewandert sind. Aber das erklärt den Namen 'Russlanddeutsche' noch nicht. Warum heißen diese Menschen dann nicht 'Russen' oder 'russische Migranten'. Russlanddeutsche heißen Russlanddeutsche, weil sie Deutsche sind, die aus Russland nach Deutschland ausgewandert sind. Das wirft ein paar Fragen auf: Was machten diese Deutschen in Russland? Wie kamen sie dorthin? Wann sind sie nach Russland ausgewandert und warum? In diesem Kapitel schauen wir uns an, wie die Russlanddeutschen überhaupt zu Russlanddeutschen wurden.

Eine 250 Jahre alte Einladung

Galerie: Katharina
Galerie: Katharina

Am 22. Juli 1763 unterzeichnete die russische Zarin Katharina die Große ein wichtiges Schriftstück. Es gelangte auch nach Deutschland und war eigentlich ein Angebot: Auswärtige Siedler wurden eingeladen, nach Russland zu kommen. So sollten ins Russische Reich ziehen können, sich dort niederlassen und bisher unbebautes Land besiedeln. Diesem Ruf folgten auch deutsche Bauern und Handwerker.

Damit auch Leute kamen, machte Katharina den zukünftigen Siedlern weitreichende Versprechungen. Jeder sollte eine größere Fläche Land erhalten, von der Steuer und vom Militärdienst befreit sein. Außerdem sollten die Siedler sich selbst verwalten dürfen und das Recht haben, ihre Religion ungestört auszuüben. Das war in der damaligen Zeit in Europa ein sehr verlockendes Angebot: Landbesitz war eine wichtige und zuverlässige Grundlage für Reichtum, die Steuern waren hoch, der Militärdienst lang und wegen der vielen Kriege gefährlich, und Religionsfreiheit war unüblich.

Wer kam?
Diese Übersichtskarte zeigt die deutschen Siedlungsgebiete (grüne Flächen) an der Schwarzmeerküste und der unteren Wolga.
Diese Übersichtskarte zeigt die deutschen Siedlungsgebiete (grüne Flächen) an der Schwarzmeerküste und der unteren Wolga.

Diese Übersichtskarte zeigt die deutschen Siedlungsgebiete (grüne Flächen) an der Schwarzmeerküste und der unteren Wolga.

1763 hatte Mitteleuropa gerade einen langen und zermürbenden Krieg hinter sich. Im Siebenjährigen Krieg hatten sich unter anderem Preußen, Österreich und Frankreich erbittert bekämpft und dabei große Teile Deutschlands verheert und die dortige Bevölkerung verarmen lassen.

In den nicht vom Krieg betroffenen Regionen herrschte hingegen ein starker Bevölkerungsdruck. Da das zur Verfügung stehende Land weitgehend verteilt war, die Bevölkerung aber weiter wuchs, gab es viele Bauern mit zu wenig Land, um sich selbst und ihre Familien ernähren zu können.

Zudem herrschte im damaligen Europa noch eine starke religiöse Unterdrückung. Menschen, die einer anderen Konfession als der ihres Landesfürsten anhingen, wurden häufig verfolgt. Das war vor allem für verschiedene kleinere evangelische Religionsgruppen ein Problem. Die Mennoniten beispielsweise hingen einem starken christlichen Pazifismus an und lehnten jede Art von Militärdienst radikal ab. Das machte sie bei ihren jeweiligen Fürsten unbeliebt. Um so verlockender war für sie das Versprechen Katharinas von freier Religionsausübung und Befreiung vom Wehrdienst.

Fortsetzung folgt



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